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2024 kamen die Besten in Lissabons größter Veranstaltungshalle zusammen. Hier wollte der Deutsche Steffen Taeterow Weltmeister werden; den Wettbewerb dazu ruft der Branchenriese Belron – in Deutschland bekannt unter Carglass – seit 2000 unter zehntausenden seiner Monteure aus. Eine Montage wie in Wanne-Eickel, Sydney oder Kapstadt wurde 30-mal identisch in der Meo-Arena aufgebaut. Was Taeterow und seine Konkurrenten dann im Wettkampf machten, war ein exaktes Abbild ihres Alltags: Einen Steinschlag aus der Scheibe reinigen, auffüllen und wegpolieren, ein eingeschlagenes Seiten- oder Heckglas ersetzen oder gleich die ganze Frontscheibe.
Bei seiner Arbeit wird Steffen Taeterow von den Jury-Mitgliedern genau beobachtet.
Die Jury aus 70 Experten schaute genau hin, wie präzise und sorgfältig die einzelnen Arbeitsschritte durchgeführt werden. Türfüllungen und Fußräume beim Einsetzen der Seitenscheibe penibel ausgesaugt? Heckscheibe ordentlich verklebt? Werden die Handschuhe gegen scharfkantiges Glas mit denen für ätzende Chemikalien getauscht? Am Ende musste das Ergebnis auch optisch perfekt sein. Beim Verschließen des Steinschlags durfte Taeterow keinen Lufteinschluss oder gar ein Stäubchen übersehen.
Nur ein haardünner Strich im Glas zeigte bei sehr genauer Betrachtung von außen, wo der Kiesel hingeflogen war. Beim Polieren wischte sich der 43-Jährige mit einem schwarzen Handtuch alle paar Minuten die Schweißtropfen von der Stirn. Auf einem Videowürfel unter dem Dach der Halle tickte gut sichtbar die Uhr.
„Wir haben jeden Schritt und Griff immer wieder optimiert”, sagt Taeterow. Bei der Zeit machte dem Deutschen dann auch niemand etwas vor. Während er am zweiten Nachmittag bereits eine neue Windschutzscheibe ins Fahrzeug hob und verklebte, hatte noch kein einziger Mitbewerber die alte Scheibe entfernt. Ein umfassendes Verständnis von Fahrzeugtechnologie und -materialien ist bei dieser Arbeit ebenso wichtig wie die Kenntnis neuester Reparatur- und Kalibrierungstechniken.
Ist die Frontscheibe neu eingesetzt, gehört auch die Rekalibrierung der Kamera zum Standardprogramm.
Zum Standardprogramm gehört inzwischen etwa eine Rekalibrierung der Frontkameras. „Die sitzen ja unter dem Dach hinter der Frontscheibe – und müssen nach dem Einbau der Scheibe auf den Bruchteil eines Millimeters neu ausgerichtet werden”, erläutert Taeterow. Lächeln, Ruhe und Souveränität ausstrahlen – auch das ist wichtig, um ein Meister zu werden. Zu viel Hektik oder Unruhe ist unerwünscht. Etwas enttäuscht waren Taeterow, sein Trainer und die deutsche Delegation, dass es nach zwei aufregenden Tagen nicht zum Titel reichte. Aber ein Kunde wäre mit der reparierten Scheibe sicher sehr glücklich gewesen. Und das ist schließlich die wichtigste Auszeichnung.