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Über Elektromobilität ist schon viel geschrieben worden, auch in der PROFIL. Gleichzeitig behalten wir die Realität des weit überwiegenden Teils der Autofahrer im Blick: 96,6 Prozent fahren in Deutschland kein reines E-Auto. Das zeigt: E-Mobilität ist zwar kein Experiment, aber auch kein Selbstläufer.
Um zu verstehen, warum das so ist, hat der ACV die befragen lassen, die es betrifft. In einer repräsentativen Umfrage hat das Meinungsforschungsinstitut Civey im Auftrag des Clubs 1.000 Fahrer von Elektroautos und Verbrennern befragt. Die Ergebnisse zeigen eine zweigeteilte Welt: Rationale Entscheidungen treffen auf emotionale Bedenken. Gemeinsam mit Experteneinschätzungen helfen sie zu verstehen: Warum fahren eigentlich nicht mehr Menschen Elektroauto?
E-Auto-Anteil in Deutschland: Auf einem gedachten Parkplatz mit 100 Autos fahren drei rein elektrisch.
ÜBERSCHAUBARER ELEKTRO-ANTEIL
Die E-Mobilität wird schon seit Jahren als Antrieb der Zukunft gehandelt. Unter anderem weil CO₂-Flottenziele und strengere Luftgrenzwerte den Fokus auf lokal emissionsfreie Fahrzeuge legen und mit zunehmend grünem Strommix das Fahren mit Strom klimapolitisch schlüssiger wird. Gleichzeitig hinkt die Realität den Ansprüchen hinterher: 2009 wollte die Bundesregierung bis 2020 eine Million E-Autos auf der Straße haben (Realität: 136.617 E-Autos im Bestand am 1.1.2020), die Ampel-Koalition zielte auf 15 Millionen bis 2030, die aktuelle Koalition nennt gar kein konkretes Ziel.
Schauen wir uns die aktuellen Zahlen also an: Zum 1.1.2025 waren 1,65 Millionen batterieelektrische Pkw (BEV) in Deutschland zugelassen, das entspricht einem Anteil von 3,4 Prozent an allen zugelassenen Pkw. Oder veranschaulicht: Auf einem gedachten Parkplatz mit 100 Fahrzeugen parken gerade mal drei E-Autos.
Schaut man auf die Pkw, die aktuell neu zugelassen werden und damit womöglich eine Trendprognose zulassen, ergibt sich ein etwas anderes Bild: In den ersten neun Monaten 2025 war knapp jeder fünfte Neuwagen ein Elektroauto: Von 100 Neuzulassungen fuhren 18 rein batterieelektrisch (ohne Plug-in-Hybride). Ist das jetzt viel – oder wenig?
„Wir müssen sehen, woher wir kommen“, sagt dazu Automobil-Professor Stefan Bratzel. „Letztes Jahr waren wir bei 13,5 Prozent. Wir sind also schon in einem Hochlauf, der gar nicht so gering ist.“ Der E-Mobilitätsexperte prognostiziert für 2030 einen Neuzulassungsanteil reiner E-Autos von 40 Prozent.
KOSTEN ALS ARGUMENT
Damit zwei von fünf Neuwagenkäufern sich für ein Steckermodell entscheiden, muss allerdings noch einiges passieren. Denn aktuell geht die Rechnung für viele Verbrennerfahrer noch nicht auf: Einer der wichtigsten Gründe, warum viele Autofahrer heute noch kein Elektroauto kaufen, ist der Anschaffungspreis. Knapp ein Drittel gaben diesen in der repräsentativen ACV Umfrage zumindest als Haupt-Hinderungsgrund an (siehe unten).
Im Schnitt waren Elektroautos im September rund 1.600 Euro teurer als Verbrenner, wie das Center for Automotive Research (CAR) in Bochum ermittelt hat. Aber: Die Differenz schmilzt, im Januar waren es noch 5.519 Euro. Wie schnell sich die Preislücke weiter verringert, hängt stark von den Batteriepreisen ab. Stefan Bratzel rechnet damit, dass in den nächsten zwei, drei Jahren nahezu Preisparität erreicht wird.
Weil viele Umsteiger aktuell aber leasen statt kaufen, fällt diese Preisdifferenz häufig ohnehin nicht ins Gewicht; der Leasinganteil bei Elektroautos ist inzwischen deutlich höher als bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor. Autohersteller nutzen dieses Vertriebsmodell dementsprechend verstärkt, um ihre Fahrzeuge gezielt in den Markt zu bringen und den Einstieg in die E-Mobilität zu erleichtern.
„Einen einzelnen Grund für den bislang verhaltenen Hochlauf der Elektromobilität gibt es nicht.“
Holger Küster ACV Geschäftsführer
Denn Leasing federt technische Unsicherheiten und Restwertrisiken ab. Und der Wertverlust von E-Autos liegt aktuell deutlich über dem von Verbrennern, da Gebrauchtwagenkäufer unter anderem auch in der ACV Umfrage der Batteriehaltbarkeit gegenüber skeptisch sind. So waren laut Analyse der Deutschen Automobil-Treuhand im August dreijährige BEVs im Schnitt nur noch die Hälfte ihres ehemaligen Neupreises wert; bei Benzinern und Dieseln lag der Restwert bei 63 und 62 Prozent.
Apropos Kosten: Elektroautos sind bei Reparaturen oft teurer – das zeigen auch die Vollkasko-Schäden, die laut Versicherungsdaten noch über denen klassischer Verbrenner liegen; Tendenz jedoch rückläufig. In der Haftpflicht kann der reine E-Antrieb hingegen günstiger sein. „Laut unseren Daten sind Elektroautos nicht generell in eine höhere Typklasse eingestuft“, betont der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Manche Versicherer wie die DEVK gewähren spezielle Rabatte für E-Autos.
+34%
Schnelles Laden

Öffentliche Ladepunkte
in Deutschland
Auch beim ACV sieht man den Umstieg nicht als reine Einstellungssache, sondern als Frage der Rahmenbedingungen (siehe Kommentar).
Zwar gibt es in Deutschland knapp 180.000 öffentliche Ladestationen (Stand: 1. Oktober), jedoch sind sie in Stadt, Land und bundesweit ungleich verteilt: Während in Mecklenburg-Vorpommern beispielsweise 889 Schnell- und 1.717 Normalladepunkte registriert sind, gibt es im etwa gleich großen Bundesland Hessen vier- beziehungsweise sechsmal so viele Lademöglichkeiten. Hinzu kommen Faktoren wie die Blockiergebühr, die an öffentlichen Säulen fällig wird und beispielsweise das praktische Laden über Nacht verhindert.
ACV Geschäftsführer Holger Küster
Die Erkenntnisse unserer Titelstory bestätigen: Einen einzelnen Grund für den bislang verhaltenen Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland gibt es nicht. Entscheidend ist vielmehr das Zusammenspiel verschiedener Faktoren, die bestimmen, ob Menschen bereit und in der Lage sind, auf ein Elektroauto umzusteigen.
Ein zentraler Punkt bleibt der Preis. E-Mobilität muss man sich nicht nur leisten wollen, sondern auch leisten können. Trotz sinkender Batteriepreise und wachsenden Wettbewerbs sind viele Modelle für breite Käuferschichten noch immer zu teuer. Die Kostenfrage entscheidet daher maßgeblich über den Markterfolg.
Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur nimmt Fahrt auf, in den Städten spürbar schneller als auf dem Land. Im privaten Bereich aber bestehen weiterhin Hürden. Gerade für Mieter bleibt das Laden zu Hause schwierig, und nicht jeder kann problemlos eine eigene Wallbox installieren. Auch Arbeitgeber stehen in der Verantwortung, das Laden am Arbeitsplatz zu fairen Konditionen zu ermöglichen. Ebenso wichtig sind verlässliche politische Rahmenbedingungen. Ein Schlingerkurs bei Förderprogrammen schafft kein Vertrauen. Wer auf ein neues Antriebskonzept setzt, braucht Planungssicherheit.
Und dennoch: Die Elektromobilität ist ein entscheidender Baustein der Verkehrswende – aber eben nicht der einzige. In Deutschland sind derzeit rund 50 Millionen Pkw zugelassen, und nur ein Bruchteil fährt elektrisch. Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, dürfen wir deshalb keine Technologie ausschließen, die zur Reduzierung von CO₂ beitragen kann. Auch die Bestandsflotte muss Teil der Lösung sein. Jeder eingesparte Prozentpunkt CO₂ zählt – ob durch effizientere Verbrenner, Bio-Kraftstoffe oder künftig womöglich synthetische Kraftstoffe.

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