Neu, gebraucht oder leasen?

Der E-Automarkt ist in Bewegung: Wachsendes Angebot, attraktive Lock-Angebote bei gleichzeitig raschem technischen Fortschritt machen die Entscheidung schwer. Für Privatkäufer stellt sich die Frage: Neu kaufen, leasen oder gebraucht übernehmen? Eine Analyse zeigt Vor- und Nachteile.

Neu, gebraucht oder leasen?

Der E-Automarkt ist in Bewegung: Wachsendes Angebot, attraktive Lock-Angebote bei gleichzeitig raschem technischen Fortschritt machen die Entscheidung schwer. Für Privatkäufer stellt sich die Frage: Neu kaufen, leasen oder gebraucht übernehmen? Eine Analyse zeigt Vor- und Nachteile.

Ein neues Auto soll her – vielleicht sogar elektrisch? Dann ist Überblick gefragt, denn der Markt für Elektroautos wirkt zunächst unübersichtlich: Hersteller werben mit Leasing-Deals, elektrische Gebrauchtwagen sinken im Preis, wohingegen Neuwagen modernste Akku- und Ladetechnik versprechen. Was lohnt sich jetzt wirklich? 

NEUWAGEN: VORSPRUNG MIT ABLAUFDATUM  
Neuwagen punkten mit höherer Reichweite, häufig mit schnellerem Laden, modernsten Assistenzsystemen und voller Batteriegarantie des Herstellers (8-10 Jahre). Auch die THG-Quote (50-80 €/Jahr) kann, anders als beim Leasing, selbst kassiert werden. Großer Nachteil bleibt der Anschaffungspreis: Trotz sinkender Differenz kosten neue E-Autos weiterhin mehr als vergleichbare Verbrenner.

Hinzu kommt: Wegen der schnellen technischen Entwicklung verlieren E-Autos in den ersten Jahren stärker an Wert als Verbrenner; laut Analyse der Deutschen Automobil-Treuhand sind dreijährige Stromer im Schnitt nur etwa die Hälfte ihres ehemaligen Listenpreises wert; bei Benzinern lag der Restwert bei 63 und Diesel bei 62 Prozent. Je länger man sein neues E-Auto fährt, desto geringer werden jedoch die Unterschiede.

Zwar schreckt der rasante Fortschritt bei Ladegeschwindigkeit und Akkukapazität manche Neuwagenkäufer ab, aus Sorge, bald bessere Reichweiten zu verpassen. Doch im Schnitt lag die Reichweite 2024 bei alltagstauglichen 478 Kilometern (Quelle: Ariadne Projekt). Wer schnell ein neues Auto braucht, den könnten die teils langen Lieferzeiten abschrecken.  

LEASING: FLEXIBILITÄT KOSTET
Um den Umstieg auf E-Mobilität zu testen, ist Leasing eine gute Option. Bereits für weniger als 150 Euro im Monat können Privat- und Gewerbekunden aktuell ein kleines E-Auto wie Dacia Spring, Fiat 500e oder Ford Puma leasen. Aber auch größere Modelle tauchen als temporäre Schnäppchenangebote immer wieder zu Kampfpreisen bei großen Online-Plattformen auf.

49.5%

des Neupreises bekamen Händler im Frühjahr für dreijährige E-Autos; bei Benzinern waren es 63,4 und bei Dieseln 61,7 Prozent.

Die turnusmäßige Rückgabe des Fahrzeugs hat verschiedene Vorteile: Weil die Batterietechnik aktuell immer noch schnelle Fortschritte macht, veralten heute brandneue Modelle noch rascher als vom Verbrenner gewohnt. Zudem profitiert der Kunde von einem prinzipiellen Vorteil des Leasings, der beim Elektroauto besonders ins Gewicht fällt: dem Wegfall des Restwertrisikos. Sollte der Markt für gebrauchte E-Autos also beispielsweise einbrechen, weil es eine neue E-Auto-Prämie gibt, kann das dem Kunden egal sein.

Eine andere Gefahr wird beherrschbarer: Nämlich, dass sich ein E-Auto als nicht geeignet für die persönlichen Bedürfnisse herausstellt. Etwa, weil die eigene Ladeinfrastruktur fehlt und das Parken am Straßenrand doch stärker nervt als gedacht. Oder weil geänderte Lebensumstände größere Reichweiten nötig machen.

Allerdings gilt auch beim E-Auto der wichtigste Nachteil dieser Finanzierungsform: Wer least, erwirbt kein Eigentum. Ein gekauftes Auto lässt sich nach der Abzahlung günstig weiter nutzen.

GEBRAUCHTWAGEN: WAS TAUGT DER AKKU  
Gerade ehemalige Leasingfahrzeuge großer Flotten kommen gut gepflegt, regelmäßig gewartet und mit nachvollziehbarer Historie auf den Markt. Die meisten Modelle haben noch Garantie auf Batterie oder Antrieb (Herstellerangaben zu Alter und Kilometer beachten!). Der größte Wertverlust ist meist schon passiert.

Wer ein Elektroauto gebraucht kauft, sollte sich vor allem über den Zustand des wertvollsten Teils informieren – des Akkus. Da das E-Auto keine Verschleißteile wie Auspuff oder Kupplung hat und der E-Motor recht wartungsarm ist, ist der Zustand der Batterie für den Wert des Fahrzeugs umso wichtiger.

Neben Alter und Kilometerstand ist die Art des Ladens entscheidend für die Lebensdauer von Lithium-Ionen-Batterien, häufiges Schnelladen belastet den Akku beispielsweise. Für den Käufer eines gebrauchten Elektroautos ist der Zustand kaum einzuschätzen. Daher ist ein Batteriecheck, der die Restkapazität in Prozent ermittelt, unbedingt empfehlenswert. 

Der Zustand des Akkus, der sogenannte „State of Health“ (SoH), ist entscheidend für den Restwert eines Elektroautos – und nicht an die Laufleistung gebunden. Viele Hersteller garantieren eine Restkapazität von mindestens 70 Prozent. Den SoH kann man bei einer Wartung oder über spezialisierte Anbieter prüfen lassen, Kosten etwa 100 bis 150 Euro. Aviloo bietet einen Heimtest an, bei dem eine Box über den OBD-Anschluss Daten sammelt; diesen Service gibt es alternativ bei GTÜ, TÜV oder DAT-Partner auch vor Ort. Die Dekra testet über eine kurze Beschleunigungsfahrt über die OBD-Schnittstelle innerhalb von 15 Minuten.

Der Batteriecheck funktioniert über die OBD-Schnittstelle. 

Anschließend erhält der Kunde ein Zertifikat mit der Restkapazität des Akkus in Prozent.