Lange fokussierten die Anbieter von Ladekarten und Stromverträgen – E-Mobilitätsprovider (EMP) – den Ausbau ihres Netzes an Ladepunkten. Weil sie nicht all diese tausenden Ladesäulen selbst betreiben wollten, schlossen sie Roaming-Verträge mit den Ladesäulenbetreibern. Der Kunde zahlte überall den gleichen kWh-Preis und war glücklich.
Für die EMPs war das allerdings oft ein Zuzahlungsgeschäft, mussten sie doch die Differenz zwischen dem Kunden-Strompreis und dem Preis des jeweiligen Ladesäulenbetreibers ausgleichen. Nicht wenige Ladesäulenbetreiber nutzten offenbar die Situation aus und verlangten von den Providern Höchstpreise. Aktuell spielen die meisten EMPs das Spiel nicht mehr mit. Viele haben die Roaming-Konditionen – also das Laden an vertragsfremden Säulen – massiv verschlechtert und reichen die hohen Preise der Betreiber direkt an den Kunden durch. Das macht das Tanken an Fremdsäulen aktuell extrem unattraktiv. Auch, weil für den Kunden ohne App oft nicht zu erkennen ist, wie viel die Kilowattstunde genau kostet – böse Überraschungen sind garantiert.
Dass das Roaming faktisch kaputt ist, gilt vor allem für Tarife ohne Grundgebühr. Tarife mit monatlichem Festpreis bieten teils bessere Konditionen für das Fremdladen, denn: Nachdem die E-Mobilitätsprovider ihren Kundenstamm teuer maximal ausgeweitet haben, wollen sie die E-Auto-Nutzer nun dauerhaft an sich binden.
PREISANGLEICHUNG MACHT AC-LADEN TEURER
Hinzu kommt ein zweiter Trend: die Preisangleichung zwischen Normal- und Schnellladesäulen. Waren die schnelleren DC-Anschlüsse lange Zeit rund 50 Prozent teurer als die langsameren AC-Ladepunkte, fallen in vielen Tarifen nun die gleichen kWh-Preise an. In der Praxis sind die AC-Preise stark gestiegen, während die Kosten für die Schnelllader leicht sanken.
Das Anfahren von Normalladesäulen lohnt sich dadurch häufig nur noch für Kunden, die eh vor Ort sind. Aber: Viele E-Mobilitätsprovider haben die Regeln für ihre Blockiergebühren an der AC-Säule verschärft. Noch vor kurzem fiel der Aufpreis von meist 10 Cent pro Minute nach vier Stunden an, nun häufig nach drei oder zwei Stunden.
KONKRETE TIPPS FÜR E-AUTO-FAHRER
Doch es gibt Handlungsoptionen. So kann etwa die Ausweitung der eigenen Ladekarten-Auswahl eine Lösung sein – wer für jede Säule die passende Karte hat, muss keinen Roaming-Aufpreis zahlen. Sinnvoll ist das allerdings nur, wenn dafür keine Verträge mit Grundgebühr abgeschlossen werden müssen.
Für Vielfahrer kann sich ein solcher Tarif mit monatlicher Basiszahlung aber durchaus lohnen. Gerade die Autohersteller bieten zurzeit häufig attraktive Modelle für ihre Kunden. Eine Alternative ist das Ad-hoc-Laden. Das Laden ohne Vertrag und mit Zahlung per EC- oder Kreditkarte war lange die teuerste Option beim öffentlichen Stromtanken. Mittlerweile nicht mehr unbedingt, mittelfristig könnten diese Tarife sogar besonders günstig werden, denn künftig muss an allen Ladesäulen das Zahlen mit Kredit- oder EC-Karte möglich sein. Außerdem wächst mit dem weiteren Ausbau der Ladeinfrastruktur die Konkurrenz zwischen den einzelnen Ladeparks. Womöglich lernen Charging-Hubs dann von Tankstellen und installieren Preistafeln mit dem aktuellen, idealerweise günstigen kWh-Tarif.
Generell besteht Hoffnung, dass sich die Ladepreise langfristig über Marktmechanismen so einrütteln, dass auswärts Laden keine Belastung mehr ist. Auf staatliche Eingriffe in die aktuell wirren Tarifstrukturen sollte man nicht zu stark hoffen – bislang gibt es wenige Anzeichen dafür.
Außerdem kann man versuchen, das Auto über die Fernbedienung mehrfach auf- und abzuschließen, oft entriegelt dann auch die Steckverbindung. Helfen kann dabei, wenn man mit der Hand das Ladekabel anhebt – manchmal stört das Eigengewicht des Steckers den Schließmechanismus. Lässt sich der Stecker immer noch nicht lösen, hilft möglicherweise die mechanische Notentriegelung, siehe Bedienungsanleitung. Oft sind Knopf, Schlaufe oder Hebel unter der Motorhaube, im Türrahmen oder im Kofferraum zu finden.