VERKEHRSPOLITIK


Seit einigen Wochen ist der Weg zur Grundschule für viele Kinder wieder das erste Abenteuer des Tages. Polizisten wie Hauptkommissarin Anja Goldenberg (Foto) sorgen vor Unterrichtsbeginn für die Sicherung des Schulwegs, Eltern üben mit ihren I-Dötzchen die morgendliche Strecke.


KONKRETE HILFE VOM ACV
Wie die jüngsten Verkehrsteilnehmer sicher ankommen, steht im Fokus von Eltern und Großeltern, aber auch Polizei, Lehrern oder Erziehern. Sie alle unterstützt der ACV aktiv: Das in Kooperation mit der Polizei Köln entwickelte, kostenlose Lernheft zeigt die wichtigsten Gefahrensituationen und erklärt den Umgang mit ihnen. Es ist Mittelpunkt der 2024 ins Leben gerufenen Initiative Schulweg-Champions. 

An Grundschulen, in Vorschulgruppen der Kindergärten sowie bei der Verkehrsunfallprävention und Verkehrserziehung der Polizei wird die kindgerechte Broschüre verwendet. Bezirksdienstbeamtin Goldenberg beispielsweise verteilt in ihrem Revier im Kölner Süden die Lernhefte zuerst zur Vorbereitung an die jeweiligen Schulen und Kitas und übt danach mit den Kindern im Straßenverkehr konkrete Situationen.

Ich finde das Heft total gut,​
weil es für die Kinder einfach zu verstehen​
und logisch ist.

Anja Goldenberg
Hauptkommissarin Polizei Köln

Ich finde das Heft total gut, weil es für die Kinder einfach zu verstehen und logisch ist.


Anja Goldenberg
Hauptkommissarin Polizei Köln

Kostenlos herunterladen

Der ACV stellt das Lernheft online zur Verfügung. Neben der deutschen Version ist das Heft dort auch in mehreren Fremdsprachen sowie auf Kölsch verfügbar.

Hier gehts zum Lernheft

POSITIVE EINSCHÄTZUNG AUS DER PRAXIS
„Ich finde das Heft total gut, weil es für die Kinder einfach zu verstehen und logisch ist“, sagt Goldenberg. Da dank der Unterstützung der Polizei Köln alle wichtigen Situationen und Regeln enthalten sind, könne man sehr gut damit arbeiten. Das gilt ebenfalls für die Eltern: „Zu Hause können Sie nochmal reingucken, denn auch wir Erwachsenen vergessen“, so die Polizistin, selbst Mutter zweier erwachsener Kinder. Die Bezugspersonen erhalten im Lernheft über ausführlichere Erklärtexte hilfreiche Zusatzinformationen. 

„Ich freue mich, dass unser Lernheft bei Kindern und Fachpersonal so gut ankommt und umfassend genutzt wird – genau das war unser Ziel“, sagt ACV Geschäftsführer Holger Küster. Seit Beginn der Initiative verteilt der ACV die Schulfibel auf vielfältige Weise. Das Heft steht auf der ACV Homepage gratis in mehreren Sprachen zum Download bereit (siehe Kasten). Für Schulklassen kann im ACV Shop ein kostenloser Klassensatz mit 30 Exemplaren bestellt werden.

VIRTUELLER ELTERNABEND
Zum Ferienende in Nordrhein-Westfalen luden die Polizei Köln und die Polizei im Rhein-Kreis-Neuss erstmals ein zum digitalen Elternabend „Kleine Füße – sichere Schritte auf dem Schulweg“ für die Klassen 1 und 2. Eltern erhielten online Einblicke in die Wahrnehmung von Kindern im Straßenverkehr, die Gefahren des sogenannten „Elterntaxis“ und Tipps zum Verhalten gegenüber Fremden. Besonders erfreulich: Auch unsere ACV Verkehrsfibel für Kinderwurde von der Polizei als wertvolle Hilfe präsentiert. Sie vermittelt spielerisch die wichtigsten Verkehrsregeln und macht Kinder fit für den Alltag im Straßenverkehr.

VIRTUELLER ELTERNABEND

Zum Ferienende in Nordrhein-Westfalen luden die Polizei Köln und die Polizei im Rhein-Kreis-Neuss erstmals ein zum digitalen Elternabend „Kleine Füße – sichere Schritte auf dem Schulweg“ für die Klassen 1 und 2. Eltern erhielten online Einblicke in die Wahrnehmung von Kindern im Straßenverkehr, die Gefahren des sogenannten „Elterntaxis“ und Tipps zum Verhalten gegenüber Fremden. Besonders erfreulich: Auch die ACV Verkehrsfibel für Kinder wurde von der Polizei als wertvolle Hilfe präsentiert. Sie vermittelt spielerisch die wichtigsten Verkehrsregeln und macht Kinder fit für den Alltag im Straßenverkehr.



„Man sieht ganz deutlich, welche Kinder permanent gefahren werden“

Hauptkommissarin Anja Goldenberg ist als Bezirksdienstbeamtin nah an den Menschen in ihrem „Veedel“. Die gebürtige Kölnerin ist seit 32 Jahren bei der Polizei und Mutter zweier erwachsener Kinder.

Warum engagieren Sie sich beim Schulwegtraining?
Ich finde Kinder toll und beobachte gerne, wie sie sich entwickeln. Ich bin ja so eine Art Dorfpolizist hier, und es ist hilfreich, wenn die Kinder ein positives Bild von der Polizei haben. Die Schüler dürfen mich auch alle duzen, darauf reagieren die Eltern manchmal komisch. Mir ist wichtig, dass sie sicher in die Schule kommen – nicht, dass es für die Eltern praktisch ist.

Sie sprechen die Elterntaxis an. Was sind typische Gefahren, wenn Eltern ihre Kinder jeden Tag mit dem Auto fahren?
Es sind immer die gleichen, bei denen man den Eindruck hat, sie wollten ihr Kind bis vor den Schultisch fahren. Halten unmöglich an oder bedenken nicht, dass sie beim Rückwärtsfahren die anderen Kinder übersehen könnten. Es gibt einen Grund für Halteverbotszonen vor Schulen! Was den Eltern vielleicht auch nicht bewusst ist: Sie nehmen ihren Kindern auch etwas. Man sieht ganz deutlich, welche Kinder permanent gefahren werden, egal ob im Lastenrad oder im Auto. Diese Kinder sind ungeübte Fußgänger.

Haben Sie einen Tipp, wenn es keine andere Möglichkeit als die Fahrt mit dem Auto gibt?
Auf dem Weg schon mal einen Parkplatz suchen, das Kind vorher aussteigen lassen oder den Rest zusammen gehen.

Wir müssen den Kindern
was zutrauen.

Anja Goldenberg

Wir müssen den Kindern was zutrauen.


Anja Goldenberg

Wie erkenne ich, ob mein Kind alleine zur Schule gehen kann?
Da sage ich den Eltern immer: Das Kind mal alleine vorgehen lassen, gucken wie es sich verhält. Wie lange er oder sie braucht, um über die Straße zu kommen und wie gut das klappt. Oder sagen: „Jetzt bestimmst Du mal, wann wir losgehen.“ Wir müssen den Kindern was zutrauen und ihnen auch die Möglichkeit geben, zu zeigen, ob sie es können oder nicht.

Welche Rolle spielt das Lernheft des ACV dabei?
Beim Schulwegtraining sage ich den Kindern: Ab jetzt lasst euch nicht mehr hinterherziehen, sondern zeigt euren Eltern, was ihr könnt. Übt das immer wieder und versucht euren Eltern zu sagen: „Nein, lasst uns zu Fuß gehen.” Das Heft mit den Eltern am besten mehrfach noch mal durchzugehen, ist sinnvoll, damit man sich erinnert, wie es richtig ist. Auch Eltern denken nicht immer an alles.

Wie wichtig ist es, dass Eltern oder Großeltern so weiter üben?
Ich glaube, Eltern vergessen oft: Wenn dieses Training stattgefunden hat, können die Kinder das nicht perfekt. Wir dürfen nicht erwarten, dass sie das können, wenn wir nie trainieren. Wir mussten ja auch für den Autoführerschein üben. Und wir Eltern wollen ja, dass die Kinder sicher zur Schule kommen oder zur Eisdiele, zum Bäcker, wo auch immer sie irgendwann hingehen.

Wie erkenne ich, ob mein Kind alleine zur Schule gehen kann?
Da sage ich den Eltern immer: Das Kind mal alleine vorgehen lassen, gucken wie es sich verhält. Wie lange er oder sie braucht, um über die Straße zu kommen und wie gut das klappt. Oder sagen: „Jetzt bestimmst Du mal, wann wir losgehen.“ Wir müssen den Kindern was zutrauen und ihnen auch die Möglichkeit geben, zu zeigen, ob sie es können oder nicht.

Welche Rolle spielt das Lernheft des ACV dabei?
Beim Schulwegtraining sage ich den Kindern: Ab jetzt lasst euch nicht mehr hinterherziehen, sondern zeigt euren Eltern, was ihr könnt. Übt das immer wieder und versucht euren Eltern zu sagen: „Nein, lasst uns zu Fuß gehen.” Das Heft mit den Eltern am besten mehrfach noch mal durchzugehen, ist sinnvoll, damit man sich erinnert, wie es richtig ist. Auch Eltern denken nicht immer an alles.


Wie wichtig ist es, dass Eltern oder Großeltern so weiter üben?
Ich glaube, Eltern vergessen oft: Wenn dieses Training stattgefunden hat, können die Kinder das nicht perfekt. Wir dürfen nicht erwarten, dass sie das können, wenn wir nie trainieren. Wir mussten ja auch für den Autoführerschein üben. Und wir Eltern wollen ja, dass die Kinder sicher zur Schule kommen oder zur Eisdiele, zum Bäcker, wo auch immer sie irgendwann hingehen.

Was ist für Grundschulkinder die größte Schwierigkeit, wenn sie im Straßenverkehr unterwegs sind? 
Kinder bis zu zehn Jahren können Geschwindigkeiten und Entfernungen noch nicht gut abschätzen. Sie hören vielleicht etwas, können aber nicht genau sagen, woher es kommt. Sie haben außerdem ein weniger breites Sichtfeld – das ist ein Grund, warum sie immer den Kopf ganz drehen sollen, beim links und rechts Gucken.

Wir sind hier an einer Kreuzung mit vier Zebrastreifen – für einen Erwachsenen vermeintlich sicher. Warum ist es das nicht? 
Kinder schaffen es nicht gut, hier rüberzukommen. Sie sollen ja erst dann gehen, wenn das Auto steht. Autofahrer rollen aber oft langsam auf den Zebrastreifen zu, sind ungeduldig, warum das Kind nicht geht – und geben dann doch noch Gas. Ich habe hier schon zweimal durch einen kurzen Griff an den Pullover ein Kind vom Zebrastreifen runterholen müssen. Einmal habe ich den Autofahrer schimpfen hören: „Wenn er nicht voran macht“. Aber Kinder machen nicht voran.

Vermeintlich sicher, in der Praxis aber unübersichtlich: Hauptkommissarin Goldenberg an einer Kreuzung in Köln. 

Wir sind hier an einer Kreuzung mit vier Zebrastreifen – für einen Erwachsenen vermeintlich sicher. Warum ist es das nicht? 
Kinder schaffen es nicht gut, hier rüberzukommen. Sie sollen ja erst dann gehen, wenn das Auto steht. Autofahrer rollen aber oft langsam auf den Zebrastreifen zu, sind ungeduldig, warum das Kind nicht geht – und geben dann doch noch Gas. Ich habe hier schon zweimal durch einen kurzen Griff an den Pullover ein Kind vom Zebrastreifen runterholen müssen. Einmal habe ich den Autofahrer schimpfen hören: „Wenn er nicht voran macht“. Aber Kinder machen nicht voran.

Vermeintlich sicher, in der Praxis aber unübersichtlich: Hauptkommissarin Goldenberg an einer Kreuzung in Köln. 


Fast jeder Vierte fühlt sich beeinträchtigt

Fahrassistenzsysteme können Leben retten, funktionieren aber längst nicht einwandfrei. Eine repräsentative ACV Umfrage zeigt: Die Fehlfunktionen schwächen das Vertrauen in die Assistenzsysteme.

Zwar sind zwei Drittel der Autofahrer überzeugt, dass Assistenzsysteme die Fahrsicherheit grundsätzlich erhöhen, so das Ergebnis der Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des ACV. Gleichzeitig bestehen jedoch Zweifel an ihrer Zuverlässigkeit und Praxistauglichkeit. Vier von zehn Befragten, die Assistenzsysteme nutzen, berichten von gelegentlichen oder häufigen Fehlfunktionen. Zudem fühlt sich fast jeder Vierte durch die Systeme nicht unterstützt, sondern beim Autofahren sogar beeinträchtigt.

Fühlen Sie sich durch Assistenzsysteme eher unterstützt oder eher beeinträchtigt? (Antworten in %)
29% eindeutig unterstützt
30% eher unterstützt
18% unentschieden
15% eher beeinträchtigt
8% eindeutig beeinträchtigt

Quelle: Civey-Umfrage im Auftrag des ACV unter 1.500 Autofahrenden, August 2025


Assistenzsysteme müssen vor ihrer Einführung konsequent auf unterschiedlichste Verkehrssituationen trainiert werden – nicht im Alltag der Autofahrer.“

Holger Küster ACV Geschäftsführer

ACV: PRAXISTAUGLICHE TECHNIK
Seit Juli 2024 sind zahlreiche Assistenzsysteme, wie automatische Notbremse oder Spurhalter, aufgrund einer EU-Verordnung in Neuwagen verpflichtend. Ziel ist, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Der ACV begrüßt das ausdrücklich, mahnt jedoch an, dass die jeweilige Technik erst dann auf die Straßen kommen darf, wenn sie praxistauglich ist.

ACV Geschäftsführer Holger Küster: „Assistenzsysteme können Leben retten. Damit dieses Versprechen eingelöst wird, müssen sie vor ihrer Einführung konsequent auf unterschiedlichste Verkehrssituationen und Hindernisse trainiert werden – im Labor und in kontrollierten Tests, nicht im Alltag der Autofahrer.“ Ein kritisches Beispiel bleibt der intelligente Geschwindigkeitsassistent, der Verkehrszeichen herstellerübergreifend nach wie vor häufig falsch erkennt und dadurch fehlerhafte Tempolimits anzeigt.

Systeme, die verunsichern, schwächen das Vertrauen der Menschen in technische Helfer, statt es zu stärken: Rund 41 Prozent der Befragten haben weniger Vertrauen in die Zuverlässigkeit von Assistenzsystemen, nur knapp 39 Prozent geben an, dass sie den Systemen überwiegend vertrauen.

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