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Mehrere tausend Euro und viele Monate Vorbereitung – der Preis für die eigene Auto-Mobilität ist hoch. Mit einer Reform will die Bundesregierung gegensteuern. Doch warum dauert der Weg zum Führerschein heute häufig so lange, und warum wird er immer teurer? 

„Ich will flexibel sein, Freunde besuchen, andere Praktikumsstellen zur Auswahl haben“, sagt Mona Burrichter. Die 17-jährige Auszubildende lebt in einem Dorf mitten in Niedersachsen, Busse fahren unregelmäßig. Der Führerschein bedeutet für sie Selbstständigkeit – wie weiterhin für viele junge Menschen, nicht nur auf dem Land: Jedes Jahr werden in Deutschland rund zwei Millionen Fahrprüfungen abgelegt. Doch der Weg dorthin ist teurer und aufwendiger geworden. Ende Mai brachte die Bundesregierung deshalb eine Reform der Fahrausbildung auf den Weg.

FÜHRERSCHEIN SCHWIERIGER?
Wie lange ist Ihre Fahrprüfung her? Die Autorin dieses Textes machte ihren Führerschein kurz nach der Jahrtausendwende: abends Theorieunterricht, nachmittags zusammen mit zwei anderen 17-Jährigen im Fahrschulauto durch die Kreisstadt, Bögen angekreuzt, irgendwann Prüfungen abgelegt. Im Rückblick wirkt das unkomplizierter als heute, oder?

Ja, sagt Jörg-Michael Satz vom Branchenverband Moving: „Die Anforderungen an die Fahrschüler sind gestiegen.“ Unterschiedliche Fahrzeugkonzepte, Assistenzsysteme sowie dichterer und komplexerer Verkehr machen die Ausbildung schwieriger. „Die Ausbildung ist qualitativ besser geworden – aber auch anspruchsvoller.“

„Die Anforderungen an die
Fahrschüler sind gestiegen.“

Jörg-Michael Satz Branchenverband Moving


WARUM ES TEURER WIRD
Der Preis für die eigene Auto-Mobilität ist höher; gemeint ist auch die Rechnung, die am Ende der Ausbildung ins Haus flattert und die weiterhin häufig von Eltern (mit-) finanziert wird. Laut Moving lagen die durchschnittlichen Ausbildungskosten für den Pkw-Führerschein 2024 bei 3.400 Euro, plus Prüfgebühren. In den vergangenen zwei Jahren dürften sie weiter zugenommen haben. Die regionalen Unterschiede sind enorm: Am meisten zahlten Fahranfänger in Hamburg (4.150 Euro), am wenigsten in Berlin (2.425 Euro). 

Wer die Gründe verstehen will, muss einen genauen Blick in den Fahrschulalltag werfen. Steigende Löhne, Fahrzeug- und Kraftstoffkosten treiben die Preise nach oben. Das knapper werdende Personal schlägt auch zu Buche: Laut Moving fehlen bundesweit tausende Fahrlehrer. Hinzu kommen zwei Faktoren, die den Preis indirekt steigen lassen: die Dauer und die Durchfallquote.

„Je länger du dran bist, desto teurer wird es“, sagt Fahrlehrer Sascha Niehoff, dem in Niedersachsen eine größere Fahrschule gehört. Dauert die Ausbildung länger als ein halbes Jahr, steigen die Kosten deutlich – ein Zeichen dafür, dass mehr Fahrstunden und Wiederholungen nötig werden. Wer zwischen 90 und 180 Tagen seinen Führerschein schafft, der kommt laut einer Erhebung von Moving am günstigsten weg. Die meisten brauchen allerdings länger: zwei Drittel zwischen einem halben und einem Jahr, ein knappes Viertel sogar noch länger.


„Ich will flexibel sein, Freunde besuchen, andere Praktikumsstellen zur Auswahl haben“, sagt Mona Burrichter. Die 17-jährige Auszubildende lebt in einem Dorf mitten in Niedersachsen, Busse fahren unregelmäßig. Der Führerschein bedeutet für sie Selbstständigkeit – wie weiterhin für viele junge Menschen, nicht nur auf dem Land: Jedes Jahr werden in Deutschland rund zwei Millionen Fahrprüfungen abgelegt. Doch der Weg dorthin ist teurer und aufwendiger geworden. Ende Mai brachte die Bundesregierung deshalb eine Reform der Fahrausbildung auf den Weg.

FÜHRERSCHEIN SCHWIERIGER?
Wie lange ist Ihre Fahrprüfung her? Die Autorin dieses Textes machte ihren Führerschein kurz nach der Jahrtausendwende: abends Theorieunterricht, nachmittags zusammen mit zwei anderen 17-Jährigen im Fahrschulauto durch die Kreisstadt, Bögen angekreuzt, irgendwann Prüfungen abgelegt. Im Rückblick wirkt das unkomplizierter als heute, oder?

Ja, sagt Jörg-Michael Satz vom Branchenverband Moving: „Die Anforderungen an die Fahrschüler sind gestiegen.“ Unterschiedliche Fahrzeugkonzepte, Assistenzsysteme sowie dichterer und komplexerer Verkehr machen die Ausbildung schwieriger. „Die Ausbildung ist qualitativ besser geworden – aber auch anspruchsvoller.“

„Die Anforderungen
an die Fahrschüler
sind gestiegen.“

Jörg-Michael Satz
Branchenverband Moving


WARUM ES TEURER WIRD
Der Preis für die eigene Auto-Mobilität ist höher; gemeint ist auch die Rechnung, die am Ende der Ausbildung ins Haus flattert und die weiterhin häufig von Eltern (mit-) finanziert wird. Laut Moving lagen die durchschnittlichen Ausbildungskosten für den Pkw-Führerschein 2024 bei 3.400 Euro, plus Prüfgebühren. In den vergangenen zwei Jahren dürften sie weiter zugenommen haben. Die regionalen Unterschiede sind enorm: Am meisten zahlten Fahranfänger in Hamburg (4.150 Euro), am wenigsten in Berlin (2.425 Euro). 

Wer die Gründe verstehen will, muss einen genauen Blick in den Fahrschulalltag werfen. Steigende Löhne, Fahrzeug- und Kraftstoffkosten treiben die Preise nach oben. Das knapper werdende Personal schlägt auch zu Buche: Laut Moving fehlen bundesweit tausende Fahrlehrer. Hinzu kommen zwei Faktoren, die den Preis indirekt nach oben treiben: die Dauer und die Durchfallquote.

„Je länger du dran bist, desto teurer wird es“, sagt Fahrlehrer Sascha Niehoff, dem in Niedersachsen eine größere Fahrschule gehört. Dauert die Ausbildung länger als ein halbes Jahr, steigen die Kosten deutlich – ein Zeichen dafür, dass mehr Fahrstunden und Wiederholungen nötig werden. Wer zwischen 90 und 180 Tagen seinen Führerschein schafft, der kommt laut einer Erhebung von Moving am günstigsten weg. Die meisten brauchen allerdings länger: zwei Drittel zwischen einem halben und einem Jahr, ein knappes Viertel sogar noch länger.


WIE FAHRSCHÜLER HEUTE LERNEN
Für Mona Burrichter gehört das Lernen inzwischen fest zum Alltag. Nach Berufsschule oder Praktikum sitzt die 17-Jährige oft noch an ihrer Lern-App. Dort arbeitet sie sich Schritt für Schritt durch verschiedene Lernphasen bis zu den Prüfungssimulationen. Erst wenn die Ergebnisse stimmen, meldet Fahrlehrer Niehoff sie zur Theorieprüfung an. „Zwischendurch habe ich mal nicht so viel gemacht. Aber das bringt gar nichts, man muss dranbleiben, sonst hat man vieles schnell wieder vergessen“, sagt sie. 

Auf den durchgetakteten Alltag ihrer Fahrschüler haben sich viele Fahrschulen eingestellt. Statt die 14 vorgeschriebenen Theoriestunden über Wochen zu verteilen, setzt man beispielsweise bei Niehoff auf Blockunterricht an sieben aufeinanderfolgenden Abenden. Darüber hinaus läuft die Ausbildung heute weitgehend digital über Lern-Apps mit Fragenkatalogen und Lernstandsanalyse. Entscheidend bleibe aber das Verständnis der Inhalte, betonen auch Fachleute. Reines Durchklicken reiche nicht aus. Eine ausschließlich digitale Wissensvermittlung hält auch der ACV (siehe Kommentar) für kontraproduktiv. 

1169

… Fragen umfasst der Fragenkatalog
für den Pkw-Führerschein.
Gestellt werden in der Prüfung
aber nur rund 30.


Verändert hat sich aber nicht nur die Theorieausbildung. Früher saßen oft mehrere Fahrschüler gemeinsam im Auto, heute fehlt dafür den meisten die Zeit. Was aus Ausbilderperspektive bedauerlich ist: „Wenn man mit mehreren im Auto sitzt, bekommt man viel besser mit, was andere richtig und falsch machen und baut direkt mehr Verständnis auf“, sagt Fahrlehrerin Karina Niehoff. Die Brücke zu den gestiegenen Kosten ist schnell geschlagen: Drei Viertel der Ausbildungskosten entfallen auf die Fahrstunden; alles, was den Weg verlängert, wirkt sich unmittelbar auf die Gesamtkosten aus.

WIE FAHRSCHÜLER HEUTE LERNEN
Für Mona Burrichter gehört das Lernen inzwischen fest zum Alltag. Nach Berufsschule oder Praktikum sitzt die 17-Jährige oft noch an ihrer Lern-App. Dort arbeitet sie sich Schritt für Schritt durch verschiedene Lernphasen bis zu den Prüfungssimulationen. Erst wenn die Ergebnisse stimmen, meldet Fahrlehrer Niehoff sie zur Theorieprüfung an. „Zwischendurch habe ich mal nicht so viel gemacht. Aber das bringt gar nichts, man muss dranbleiben, sonst hat man vieles schnell wieder vergessen“, sagt sie. 

Auf den durchgetakteten Alltag ihrer Fahrschüler haben sich viele Fahrschulen eingestellt. Statt die 14 vorgeschriebenen Theoriestunden über Wochen zu verteilen, setzt man beispielsweise bei Niehoff auf Blockunterricht an sieben aufeinanderfolgenden Abenden. Darüber hinaus läuft die Ausbildung heute weitgehend digital über Lern-Apps mit Fragenkatalogen und Lernstandsanalyse. Entscheidend bleibe aber das Verständnis der Inhalte, betonen auch Fachleute. Reines Durchklicken reiche nicht aus. Eine ausschließlich digitale Wissensvermittlung hält auch der ACV (siehe Kommentar) für kontraproduktiv. 

1169

… Fragen umfasst der Fragenkatalog
für den Pkw-Führerschein.
Gestellt werden in der Prüfung
aber nur rund 30.


Verändert hat sich aber nicht nur die Theorieausbildung. Früher saßen oft mehrere Fahrschüler gemeinsam im Auto, heute fehlt dafür den meisten die Zeit. Was aus Ausbilderperspektive bedauerlich ist: „Wenn man mit mehreren im Auto sitzt, bekommt man viel besser mit, was andere richtig und falsch machen und baut direkt mehr Verständnis auf“, sagt Fahrlehrerin Karina Niehoff. Die Brücke zu den gestiegenen Kosten ist schnell geschlagen: Drei Viertel der Ausbildungskosten entfallen auf die Fahrstunden; alles, was den Weg verlängert, wirkt sich unmittelbar auf die Gesamtkosten aus.

DURCHFALLEN WIRD TEUER
Zudem treibt jeder zusätzliche Prüfungsversuch den Aufwand spürbar nach oben: um rund 500 Euro in der Praxis, bei der Theorie um bis zu 150 Euro. Durchfallen ist dabei keine Ausnahme. Laut TÜV-Verband werden 45 Prozent der Theorieprüfungen und 37 Prozent der praktischen Prüfungen nicht bestanden. Die Statistik erfasst allerdings Prüfungen, nicht Personen – wer mehrfach antritt, wird mehrfach gezählt. Betrachtet man stattdessen die Bewerber, bestehen fast zwei Drittel Theorie- und Praxisprüfung auf Anhieb. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass unterschiedliche Voraussetzungen die Statistik beeinflussen können. Dazu zählen etwa sprachliche Hürden oder sogenannte Umschreiber, die ohne klassische Fahrschulausbildung direkt Prüfungen ablegen. 

Auffällig ist: Wer einmal scheitert, tut sich häufig auch beim nächsten Versuch schwer. Bei Wiederholungsprüfungen liegt die Durchfallquote in der Theorie laut TÜV-Verband bei 56 Prozent. „Wissenslücken werden oft nicht konsequent aufgearbeitet“, sieht Richard Goebelt vom TÜV-Verband hier einen Hauptgrund (siehe Interview).

„Wer gute Arbeit macht, muss
veröffentlichte Bestehensquoten
nicht fürchten.“

Sascha Niehoff Fahrlehrer


„Ich will flexibel sein, Freunde

besuchen, andere Praktikumsstellen
zur Auswahl haben.“

Mona Burrichter Fahrschülerin


FÜHRERSCHEINREFORM AUF DEM WEG
Wenn der Weg zum Führerschein immer länger, teurer und komplexer wird, stellt sich zwangsläufig die Frage nach Reformen. Das Bundesverkehrsministerium hat Ende Mai einen Gesetzentwurf für einen tiefgreifenden Umbau der Fahrausbildung vorgelegt, 2027 sollen die Regeln in Kraft treten. Unter anderem soll die Pflicht zum Präsenzunterricht wegfallen, auch um Kosten zu sparen. 

Branchenvertreter und auch der ACV warnen allerdings davor, sicherheitsrelevante Themen wie Gefahrenwahrnehmung oder Selbsteinschätzung allein ins Digitale auszulagern. Denn gerade Fahranfänger gelten europaweit weiterhin als besondere Risikogruppe im Straßenverkehr. „Wir brauchen Veränderungen“, meint Fahrlehrer Sascha Niehoff. „Aber wenn die Schüler nur noch allein mit ihrer App lernen, entstehen Defizite, die ich dann im Auto bei zusätzlichen Fahrstunden auffangen muss.“ 

Jörg-Michael Satz von Moving rechnet vor: „Unsere Fahrlehrer kalkulieren mit acht zusätzlichen Fahrstunden; bei im Schnitt 66,40 Euro pro Stunde entspricht dies Mehrkosten von über 500 Euro.“ Der Einspareffekt der Reform wäre dann gering. Satz plädiert vielmehr für die Neuausrichtung der Theorieausbildung: Ein Modul für Verkehrssicherheit und Gefahrenwahrnehmung sollte mit sechs Einheiten in Präsenz verbindlich verankert werden. Neben der Digitalisierung sieht die Reform weitere Änderungen vor: Unter anderem den Wegfall der Mindestzahl an Sonderfahrten (aktuell zwölf); so wäre dann entscheidend, ob Nacht-, Autobahn- und Überlandfahrten ausreichend geübt wurden. Zudem sollen Fahrschulen für mehr Wettbewerb künftig Preise und Bestehensquoten veröffentlichen müssen. „Wer gute Arbeit macht, muss solche Zahlen nicht fürchten“, meint Fahrlehrer Niehoff.


„Man muss dranbleiben,

sonst hat man vieles
schnell wieder vergessen.“

Mona Burrichter Fahrschülerin

DURCHFALLEN WIRD TEUER
Zudem treibt jeder zusätzliche Prüfungsversuch den Aufwand spürbar nach oben: um rund 500 Euro in der Praxis, bei der Theorie um bis zu 150 Euro. Durchfallen ist dabei keine Ausnahme. Laut TÜV-Verband werden 45 Prozent der Theorieprüfungen und 37 Prozent der praktischen Prüfungen nicht bestanden. Die Statistik erfasst allerdings Prüfungen, nicht Personen – wer mehrfach antritt, wird mehrfach gezählt. Betrachtet man stattdessen die Bewerber, bestehen fast zwei Drittel Theorie- und Praxisprüfung auf Anhieb. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass unterschiedliche Voraussetzungen die Statistik beeinflussen können. Dazu zählen etwa sprachliche Hürden oder sogenannte Umschreiber, die ohne klassische Fahrschulausbildung direkt Prüfungen ablegen. 

Auffällig ist: Wer einmal scheitert, tut sich häufig auch beim nächsten Versuch schwer. Bei Wiederholungsprüfungen liegt die Durchfallquote in der Theorie laut TÜV-Verband bei 56 Prozent. „Wissenslücken werden oft nicht konsequent aufgearbeitet“, sieht Richard Goebelt vom TÜV-Verband hier einen Hauptgrund (siehe Interview).

„Wer gute Arbeit macht,
muss veröffentlichte
Bestehensquoten
nicht fürchten.“

Sascha Niehoff Fahrlehrer


„Ich will flexibel sein,

Freunde besuchen, andere
Praktikumsstellen
zur Auswahl haben.“

Mona Burrichter Fahrschülerin


FÜHRERSCHEINREFORM AUF DEM WEG
Wenn der Weg zum Führerschein immer länger, teurer und komplexer wird, stellt sich zwangsläufig die Frage nach Reformen. Das Bundesverkehrsministerium hat Ende Mai einen Gesetzentwurf für einen tiefgreifenden Umbau der Fahrausbildung vorgelegt, 2027 sollen die Regeln in Kraft treten. Unter anderem soll die Pflicht zum Präsenzunterricht wegfallen, auch um Kosten zu sparen. 

Branchenvertreter und auch der ACV warnen allerdings davor, sicherheitsrelevante Themen wie Gefahrenwahrnehmung oder Selbsteinschätzung allein ins Digitale auszulagern. Denn gerade Fahranfänger gelten europaweit weiterhin als besondere Risikogruppe im Straßenverkehr. „Wir brauchen Veränderungen“, meint Fahrlehrer Sascha Niehoff. „Aber wenn die Schüler nur noch allein mit ihrer App lernen, entstehen Defizite, die ich dann im Auto bei zusätzlichen Fahrstunden auffangen muss.“ 

Jörg-Michael Satz von Moving rechnet vor: „Unsere Fahrlehrer kalkulieren mit acht zusätzlichen Fahrstunden; bei im Schnitt 66,40 Euro pro Stunde entspricht dies Mehrkosten von über 500 Euro.“ Der Einspareffekt der Reform wäre dann gering. Satz plädiert vielmehr für die Neuausrichtung der Theorieausbildung: Ein Modul für Verkehrssicherheit und Gefahrenwahrnehmung sollte mit sechs Einheiten in Präsenz verbindlich verankert werden. Neben der Digitalisierung sieht die Reform weitere Änderungen vor: Unter anderem den Wegfall der Mindestzahl an Sonderfahrten (aktuell zwölf); so wäre dann entscheidend, ob Nacht-, Autobahn- und Überlandfahrten ausreichend geübt wurden. Zudem sollen Fahrschulen für mehr Wettbewerb künftig Preise und Bestehensquoten veröffentlichen müssen. „Wer gute Arbeit macht, muss solche Zahlen nicht fürchten“, meint Fahrlehrer Niehoff.


„Man muss dranbleiben,

sonst hat man vieles
schnell wieder vergessen.“

Mona Burrichter Fahrschülerin

 NACHGEFRAGT


Woran scheitern Fahrschüler, Herr Goebelt?

Richard Goebelt ist Fachbereichsleiter beim TÜV-Verband,
der die Perspektive der Fahrprüfer vertritt.

 Zum Interview

 NACHGEFRAGT


Woran scheitern Fahrschüler, Herr Goebelt?

Richard Goebelt ist Fachbereichsleiter beim TÜV-Verband, der die Perspektive der Fahrprüfer vertritt.

 Zum Interview

Der Führerschein darf nicht zum Luxusgut werden. Für viele junge Menschen ist er der Schlüssel zu Mobilität, Ausbildung und Arbeit. Deshalb begrüßt der ACV die Reform. Es ist richtig, Kostenstrukturen zu hinterfragen, Bürokratie abzubauen und Fahrschülern mehr Transparenz bei Preisen und Bestehensquoten zu geben. Aber günstiger darf nicht schlechter heißen. Bezahlbarkeit und Verkehrssicherheit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wer am Ende weniger zahlt, aber schlechter vorbereitet in den Straßenverkehr startet, hat nichts gewonnen. Digitale Lernangebote können die Ausbildung flexibler machen, ersetzen aber keinen persönlichen Austausch. Rücksichtnahme, Gefahrenbewusstsein und verantwortungsvolles Verhalten entstehen nicht allein am Bildschirm. Auch Sonderfahrten und Fahrpraxis sind keine verzichtbaren Kostenblöcke, sondern zentrale Sicherheitselemente. Private Übungsfahrten können sinnvoll ergänzen, brauchen aber klare Regeln: eine solide Grundausbildung, geeignete Begleitpersonen und weiterhin die Steuerung durch die Fahrschule. Die Reform kann ein Fortschritt werden – wenn sie den Führerschein bezahlbarer macht, ohne die Ausbildungsqualität zu verwässern.
Holger Küster ACV Geschäftsführer

Der Führerschein darf nicht zum Luxusgut werden. Für viele junge Menschen ist er der Schlüssel zu Mobilität, Ausbildung und Arbeit. Deshalb begrüßt der ACV die Reform. Es ist richtig, Kostenstrukturen zu hinterfragen, Bürokratie abzubauen und Fahrschülern mehr Transparenz bei Preisen und Bestehensquoten zu geben. Aber günstiger darf nicht schlechter heißen. Bezahlbarkeit und Verkehrssicherheit dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wer am Ende weniger zahlt, aber schlechter vorbereitet in den Straßenverkehr startet, hat nichts gewonnen. Digitale Lernangebote können die Ausbildung flexibler machen, ersetzen aber keinen persönlichen Austausch. Rücksichtnahme, Gefahrenbewusstsein und verantwortungsvolles Verhalten entstehen nicht allein am Bildschirm. Auch Sonderfahrten und Fahrpraxis sind keine verzichtbaren Kostenblöcke, sondern zentrale Sicherheitselemente. Private Übungsfahrten können sinnvoll ergänzen, brauchen aber klare Regeln: eine solide Grundausbildung, geeignete Begleitpersonen und weiterhin die Steuerung durch die Fahrschule. Die Reform kann ein Fortschritt werden – wenn sie den Führerschein bezahlbarer macht, ohne die Ausbildungsqualität zu verwässern.
Holger Küster ACV Geschäftsführer


Vorgesehen ist außerdem ein Modellversuch, bei dem Fahrschüler nach bestandener Theorieprüfung zusätzliche Fahrpraxis mit Angehörigen sammeln können. Befürworter versprechen sich davon mehr Übungsmöglichkeiten und geringere Ausbildungskosten. In Ländern wie Frankreich, Österreich, Belgien oder Luxemburg ist die Ausbildung weniger formalisiert, dort wird bereits ein Teil der Fahrpraxis bewusst aus der klassischen Fahrschule in das begleitete Fahren mit Angehörigen verlagert; Fahrschüler zahlen etwa zwischen 1.300 und 2.000 Euro für den Führerschein. „Auf den ersten Blick mag der Führerschein in anderen Ländern günstiger erscheinen – tatsächlich werden die Kosten jedoch oft nur anders verteilt“, gibt Jörg-Michael Satz vom Branchenverband Moving zu bedenken. Fahrzeugkosten, Zusatzversicherungen und privater Zeitaufwand würden bei dieser Diskussion ausgeblendet.  Ob dies die Ausbildung tatsächlich günstiger macht, bezweifelt Jörg-Michael Satz vom Branchenverband Moving: „Die Kosten würden nur stärker in die Familien verlagert.“


Hätten Sie's gewusst?

Welchen Abstand zum Andreaskreuz? Was ist die Nutzlast?​
Wer hat Vorfahrt? Fahrschul-Fragen und Verkehrssituationen​
im Video – testen Sie Ihr Wissen!

Hätten Sie's gewusst?

Welchen Abstand zum Andreaskreuz? Was ist die Nutzlast? Wer hat Vorfahrt? Fahrschul-Fragen und Verkehrssituationen im Video – testen Sie Ihr Wissen!

Zum Quiz

Führerscheinreform:
Das soll sich ändern

  • Theorieunterricht komplett online oder per App (Inhalte bleiben)
  • keine feste Anzahl an Sonderfahrten (bisher zwölf), Fahrlehrer-­Einschätzung maßgeblich
  • Fragenkatalog für Theorieprüfung von 1.169 auf etwa 800 Fragen reduzieren (minus ein Drittel)
  • Kürzere praktische Prüfung, reine Fahrzeit 25 Minuten (statt 30)
  • Veröffentlichung von Preisen und Erfolgsquoten der Fahrschulen
  • Modellversuch: begleitetes Üben mit Eltern nach Theorieprüfung

Ob die Reform am Ende tatsächlich zu niedrigeren Führerscheinkosten führt, ist offen. Schließlich bleiben die zentralen Kostenfaktoren der Fahrschulen – Fahrzeuge, Personal und Kraftstoff – bestehen, während mit weniger Pflichtstunden Einnahmequellen wegfallen. „Inwieweit die Fahrschulen auf die geänderten Modalitäten reagieren, bleibt abzuwarten“, so Satz. Geld sparen hingegen lässt sich beispielsweise, wenn Fahrschüler Grundlagen auf dem Fahrsimulator üben, wie ebenfalls in der Reform vorgesehen: Rund 30 Euro pro Stunde stehen 66 Euro je Fahrstunde gegenüber. „Wenn ein Fahrschüler bei uns am Simulator trainiert hat, kann er im Anschluss häufig schon gleich sogar in der Stadt fahren“, sagt Karina Niehoff. Leider werde das Angebot aktuell nur wenig genutzt.


„Wenn die Schüler nur noch allein

mit ihrer App lernen, entstehen
Defizite, die ich bei zusätzlichen
Fahrstunden auffangen muss.“

Sascha Niehoff Fahrlehrer

Internationale Studien zeigen, dass umfangreiche begleitete Fahrpraxis unter möglichst unterschiedlichen Bedingungen das Risiko schwerer Unfälle später senken kann. In Deutschland gilt das Begleitete Fahren ab 17 als Erfolgsmodell. Hier dürfen Fahranfänger in Begleitung schon mit 17 ans Steuer – nach bestandener Fahrprüfung. „Das gibt mir Sicherheit“, sagt auch Mona Burrichter. Gleichzeitig freut sie sich auf das, worauf Generationen von Fahranfängern hingefiebert haben: einfach losfahren zu können. Der Weg dorthin mag heute länger und teurer sein – die Motivation dahinter ist geblieben.

Ob die Reform am Ende tatsächlich zu niedrigeren Führerscheinkosten führt, ist offen. Schließlich bleiben die zentralen Kostenfaktoren der Fahrschulen – Fahrzeuge, Personal und Kraftstoff – bestehen, während mit weniger Pflichtstunden Einnahmequellen wegfallen. „Inwieweit die Fahrschulen auf die geänderten Modalitäten reagieren, bleibt abzuwarten“, so Satz. Geld sparen hingegen lässt sich beispielsweise, wenn Fahrschüler Grundlagen auf dem Fahrsimulator üben, wie ebenfalls in der Reform vorgesehen: Rund 30 Euro pro Stunde stehen 66 Euro je Fahrstunde gegenüber. „Wenn ein Fahrschüler bei uns am Simulator trainiert hat, kann er im Anschluss häufig schon gleich sogar in der Stadt fahren“, sagt Karina Niehoff. Leider werde das Angebot aktuell nur wenig genutzt.


„Wenn die Schüler nur
 noch allein mit ihrer App lernen, entstehen Defizite, die ich bei zusätzlichen Fahrstunden auffangen muss.“

Sascha Niehoff Fahrlehrer

Internationale Studien zeigen, dass umfangreiche begleitete Fahrpraxis unter möglichst unterschiedlichen Bedingungen das Risiko schwerer Unfälle später senken kann. In Deutschland gilt das Begleitete Fahren ab 17 als Erfolgsmodell. Hier dürfen Fahranfänger in Begleitung schon mit 17 ans Steuer – nach bestandener Fahrprüfung. „Das gibt mir Sicherheit“, sagt auch Mona Burrichter. Gleichzeitig freut sie sich auf das, worauf Generationen von Fahranfängern hingefiebert haben: einfach losfahren zu können. Der Weg dorthin mag heute länger und teurer sein – die Motivation dahinter ist geblieben.

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Dichter Verkehr und neue Regeln: Die Anforderungen an Fahrschüler haben sich verändert. TÜV-Experte Richard Goebelt verrät, woran Prüflinge am häufigsten scheitern und weshalb Betrugsversuche bei Prüfungen zunehmen.
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