Wo Wasserstoff
wirklich
eine Rolle spielt

Lange galt Wasserstoff als Hoffnungsträger für den Pkw, durchgesetzt hat er sich jedoch bislang nicht. Trotzdem ist der Energieträger für den Mobilitätssektor attraktiv.


Wo Wasserstoff
wirklich
eine Rolle spielt

Lange galt Wasserstoff als Hoffnungsträger für den Pkw, durchgesetzt hat er sich jedoch bislang nicht. Trotzdem ist der Energieträger für den Mobilitätssektor attraktiv.

Die Größenordnung macht den Unterschied deutlich: Etwas mehr als eine halbe Million batterieelektrische Pkw kamen 2025 in Deutschland neu auf die Straße, im gleichen Zeitraum wurden 50 Autos mit Wasserstoffantrieb zugelassen. Zu den Hauptgründen, warum das E-Auto die Nase so deutlich vorn hat, zählt der bessere Wirkungsgrad: Vom Strom aus der Steckdose kommen 62 Prozent der Energie tatsächlich an den Rädern an, beim Brennstoffzellen-Pkw sind es 28 Prozent, so Daten des Umweltbundesamtes. Grund ist die energieintensive Wasserstofferzeugung und -umwandlung. Wasserstoff muss mit großem Aufwand hergestellt werden, etwa durch Elektrolyse aus Wasser (H₂O). Nur wenn der dafür benötigte Strom aus erneuerbaren Quellen stammt, kann man von „grünem“ Wasserstoff sprechen. Auch Wasserstofffahrzeuge fahren zwar üblicherweise mit Elektromotor, der nötige Strom wird aber im Auto von einer Brennstoffzelle erzeugt, in der Wasserstoff (H₂) und Sauerstoff (O₂) elektrochemisch reagieren. Als „Abfallprodukt“ wird Wasser (H₂O) ausgestoßen. (Die Funktionsweise einer Brennstoffzelle erklärt die Uni Nürnberg hier in einem kurzen Youtube-Video.)

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WO SICH DER EINSATZ LOHNT
Wo das Ladenetz dicht ist, die Fahrzeuge vergleichsweise leicht sind und überschaubare Strecken zurücklegen, ist es also effizienter, den Strom direkt ins Auto zu laden, anstatt ihn erst in Wasserstoff zu speichern und dann in der Brennstoffzelle rückzuverwandeln. Interessant wird es dort, wo Batterien an ihre Grenzen stoßen: bei sehr hohen Lasten, langen täglichen Laufzeiten, knappen Standzeiten, fehlender Ladeinfrastruktur und begrenztem Bau- oder Gewichtsspielraum – wie im schweren Güterverkehr, bei Baumaschinen und Landtechnik, im Schienen- und Schiffsverkehr. Neben der Brennstoffzelle existiert auch der Technologiepfad des mit Wasserstoff betriebenen Verbrennungsmotors.

Im Lkw-Fernverkehr gilt Wasserstoff als Kandidat für klimafreundliche Transporte. Verschiedene Hersteller erproben Brennstoffzellen-Sattelzüge, die mit einer Tankfüllung mehrere hundert Kilometer zurücklegen und sich in wenigen Minuten nachfüllen lassen. Auch für die deutschlandweit vielen hunderttausend Abschleppvorgänge sieht der ACV Wasserstoff als ein Mittel zur Dekarbonisierung (siehe hier). In der Nationalen Wasserstoffstrategie des Bundes ist Wasserstoff ein zentraler Baustein der Energiewende, mit Prioritäten in der Stahl- und Chemieindustrie, im Schiffs- und Luftverkehr sowie im schweren Straßengüterverkehr. Für Privat-Pkw ist er kein bevorzugtes Einsatzfeld.

ZUKUNFT NOCH OFFEN
Grüner Wasserstoff ist vorerst knapp und teuer, der Ausbau von Elektrolysekapazitäten und Importkorridoren benötigt Zeit und Kapital. Die Infrastruktur für Transport und Betankung ist komplexer als das Aufstellen einzelner Ladesäulen. Parallel machen batterieelektrische Nutzfahrzeuge schnelle Fortschritte, Reichweiten steigen, Ladeleistungen wachsen und Kosten sinken. Welche Technologie in diesem Bereich letztlich die Nase vorn haben wird, ist noch nicht ausgemacht.


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Wasserstoffautos waren zum 1.1.2025 in Deutschland zugelassen.
(Quelle: KBA).


Hoffnungsträger Wasserstoff

Vielfältig einsetzbar soll H2 eine Schlüsselrolle als Alternative zu fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle einnehmen. Wasserstoff als Speichermedium und Energieträger ermöglicht eine engere Verzahnung der Bereiche Strom, Wärme, Industrie und Verkehr. Durch diese Sektorkopplung kann auch in vielen Bereichen der Industrie, die sich schlecht elektrifizieren lassen, Strom aus erneuerbaren Energien indirekt zum Einsatz kommen.

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