Fahren wie mit einem normalen Pedelec, aber Kinder und Kegel mitnehmen: Im Test zeigen zwei Modelle – eins günstig, eins teuer – wie alltagstauglich das Lastenrad-Konzept mit XXL-Heck ist. Plus: Wie man aktuell sparen kann, ohne auf Qualität zu verzichten.

Wer öfter Transporte mit dem Fahrrad erledigt, muss nicht zwangsläufig zum sperrigen Lastenrad mit Kiste vorn greifen. Die schlanke Alternative sind sogenannte Longtails: Sie strecken sich nach hinten, wo sie vielseitig nutzbare Transportmöglichkeiten bieten und sich trotz XXL-Heck fast wie normale Alltags-Pedelecs fahren. Zwei Vertreter dieser Gattung sind das Gazelle Cabby C380 und das Tenways Duo 24" Longtail; mit vergleichbarer Ausstattung stehen rund 6.500 Euro knapp 3.500 Euro gegenüber.

Ein zweifüßiger Mittelständer hält das Cabby stabil, auch wenn es mit Kindern oder schwerem Gepäck beladen wird; Komponenten und Verarbeitung sind hochwertig. 

Bauarten im Überblick

Lastenräder bringen Einkäufe, Kinder oder Getränkekisten erstaunlich entspannt ans Ziel und sind längst mehr als ein Nischenprodukt für Fahrrad-Enthusiasten. Überblick über die wichtigsten Bauformen: vom klassischen Bäckerrad über das handliche Longtail bis zum dreirädrigen Trike oder dem langen „Long John“.

IN FAST ALLEN DISZIPLINEN TOP
Wie beim stolzen Preis erwartbar, erlebt man das Gazelle Cabby als Premiumprodukt. Fertig montiert geliefert, heißt es: aufsteigen, losfahren. Der kräftige Bosch-CX-Motor (85 Nm) schiebt selbst bei hoher Zuladung souverän an. Wie beim Duo unterstützt das Cabby bis 25 km/h. Allein mit Muskelkraft schneller zu fahren, kann man sich hier wie dort abschminken. Reichweiten-Rekorde sind mit dem Cabby ebenfalls nicht drin: Mit dem mittleren 545-Wh-Akku sind es im Turbomodus lediglich rund 40 Kilometer. Ungewöhnlich ist die Position der Batterie hinter dem Sattelrohr; beim Duo versteckt sie sich branchenüblich im Unterrohr.

Vorn hat das Cabby ein klassisches 26-Zoll-Format, jedoch mit deutlich verlängertem Radstand zum hinteren 24-Zoll-Rad. Der XXL-Gepäckträger erlaubt eine Zuladung bis zu 80 Kilogramm, der Frontträger packt weitere 15 Kilo (zulässiges Gesamtgewicht: 200 Kilo). Mit Sitzbank, Taschen oder Kinderschutzbügel finden bis zu zwei Kinder und/oder viel Gepäck Platz. Trotz rund 40 Kilogramm Eigengewicht bleibt das Rad selbst mit schwerem Gepäck erstaunlich handlich. Der tiefe Durchstieg hilft dabei, das Gewicht zu händeln. Verarbeitung und Ausstattung sind hochwertig, inklusive vernetztem Cockpit mit Kiox-Display und App-Anbindung. ABS wie beim Duo ist hingegen nicht verfügbar.

Das Hinterrad des Tenways ist verkleidet, was verhindern soll, dass kleine Passagiere mit Händen oder Füßen in die Speichen kommen; praktisch sind die ausklappbaren Trittbretter, weniger angenehm der instabile Ständer.

GÜNSTIG MIT QUALITÄTSABSTRICHEN
Das Tenways Duo verfolgt ein kostenoptimiertes Konzept. Geliefert wird es zerlegt, die Endmontage kostet Zeit. Das über zwei Meter lange Rad mit 24-Zoll-Laufrädern passt Fahrern zwischen 1,60 und 1,95 Metern, auch dank des variablen Vorbaus. Angetrieben wird das Duo von einem Bafang-Mittelmotor mit 80 Nm, kombiniert wie beim Cabby mit stufenloser Enviolo-Automatik und Gates-Riemen. Der Antrieb arbeitet leise, aber weniger souverän als das Bosch-Aggregat. Der 720-Wh-Akku im Unterrohr des Duo ermöglichte im Test rund 60 Kilometer Reichweite bei hoher Unterstützung. Positiv: das große TFT-Display mit Navi und Diebstahlschutz. Weniger überzeugend wirkt der Kabelwust im Cockpit.

Mit bis zu 220 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht und rund 32 Kilo Eigengewicht ist das Duo besser auf schwere Lasten ausgelegt. Serienmäßige Träger vorn und hinten bieten Flexibilität. Statt wie beim Cabby aufpreispflichtig, ist beim Duo der zum Transport von zwei Kindern gedachte Heckaufbau im Basispreis enthalten. Kritisch fiel im Test der Mittelständer des Duo auf: Er ist mit nur einer Schraube am Rahmen fixiert und lockerte sich bereits nach kurzer Zeit. Die Schraube nachzuziehen ist umständlich, doch der Ständer funktioniert nur fest verschraubt. Der Fahrkomfort bleibt trotz Federgabel und breiter Reifen begrenzt. Dafür überzeugen die kräftigen, gut dosierbaren Bremsen.

200 Kilo Gesamtgewicht schleppt das Cabby (rechts), 220 Kilo das Duo.

Beim Fahrverhalten zeigen beide Bikes Parallelen: Trotz ihrer Länge sind sie im Alltag überraschend wendig, behalten auch mit Beladung Spurtreue und lassen sich sicher steuern. Gleichwohl zeigte sich bei beiden im Test bei höheren Geschwindigkeiten leichtes Lenkerflattern, vor allem auf holperigem Untergrund.

FAZIT: NACH SCHNÄPPCHEN SUCHEN
Beide Longtails taugen als Auto-Alternative, Kindertaxi und Alltags-Pedelec. Das Cabby punktet mit hochwertiger Verarbeitung, souveränem Antrieb und stimmigem Gesamtkonzept. Das Duo lockt mit attraktivem Preis, zeigt jedoch Schwächen bei Detailqualität und Komfort. Wer souverän investieren will, greift zum Cabby; für das höherwertige Modell bieten Händler aktuell zudem deutliche Rabatte. Damit schrumpft der Preisabstand spürbar, während der Qualitätsunterschied bleibt.

Gut ablesbare Displays beim Duo (links) und beim Cabby.

Der Heckaufbau zum Kindertransport ist beim Duo (links) inklusive, beim Cabby aufpreisfplichtig.